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Archives for August 2006

"Konkrete Erfahrung der Freiheit"

August 8, 2006, Literature

Was für eine treffende Formulierung für dieses manchmal leicht widerliche Gefühl, das mich selbst — und vielleicht jeden — auch gelegentlich befällt. Es folgt ein Bespiel für eine solche Situation aus Houellebecqs Elementarteilchen:

Es regnete leicht. Zehn Minuten vergingen. Annabelle wußte, daß sie an der Tür klingeln und Michel sehen konnte; aber sie konnte es auch lassen. Sie war sich nicht recht bewußt, daß sie in diesem Augenblick die konkrete Erfahrung der Freiheit machte; auf jeden Fall war es ganz furchtbar, und nach diesen zehn Minuten sollte sie nie mehr ganz dieselbe sein.

Aus Michel Houellebecqs Les particules élémentaires (1998) in deutscher Übersetzung als Elementarteilchen von Uli Wittman (1999); Seite 55.

(Siehe auch Houellebecq, Elementarteilchen, "Größtes irdisches Glück", Nietzsche und Das eigene Leben.)

Aischylos, Die Perser

August 2, 2006, Literature

Der Grund für die Niederlage Xerxes gegen die Griechen nach Aischylos (Zusammenfassung in der Wikipedia):

Dareios: Wahrlich, schnell kam der Orakel Wirklichkeit; auf meinen Sohn Schleudert Zeus der Sprüche Endsinn; und ich hoffte fort und fort, Daß die Götter sie vollenden würden erst nach langer Zeit. Doch wenn einer sie beschleunigt selbst, hilft auch der Gott dabei. Nun erscheint des Unheils Quelle allen Freunden aufgedeckt. Wissenlos, in junger Kühnheit, hat mein Sohn den Spruch erfüllt. Der den heiligen Hellespontes, wie er strömt, durch Kettenlast Sklaven gleich zu halten hoffte, Bosporos, den Strom des Gotts Und dem Meerweg andern Takt gab und mit erzgetriebnem Band Ihm die Brückenfessel aufzwang, langen Pfad dem langen Heer, Der ein Mensch den Göttern allen glaubte, klugen Rates bar, Selbst Poseidon, zu gebieten — lag nicht Krankheit um den Geist Meines Sohns? Mein großer Reichtum, den ich mühevoll erwarb, Ward, so fürcht' ich, nun die Beute jenes, der zuerst ihn hascht'.

Aus Aischylos Die Perser (uraufgeführt 472 v. Chr.), übertragen von Georg Lange, Fünfter Band der Tschulum Bücher, Griechisch und Deutsch, erschienen 1924 im Ernst Heimeran Verlag, München.

Wissenschaftsdefinition

August 2, 2006, Literature
Last edited on August 2, 2006

Aus den Vorbemerkungen (Prolegomena) zu Alexander Gottlieb Baumgarten, Aesthetica, 1750:

§ 5 Gegen unsre Wissenschaft könnten folgende Einwendungen gemacht werden: 1) sie sei zu weit gefaßt, als daß sie in einer einzigen Schrift und in einer einzigen Vorlesung erschöpfend dargestellt werden könnte. Meine Antwort: Das gebe ich zu, aber etwas ist besser als nichts.

Beziehungsweise im lateinischen Originaltext:

§ 5 Obici posset nostrae scientia (§ 1) 1) eam nimis late patere, quam ut uno libello, una acroasi possit exhauriri. Respondeo concedendo. Sed praestat aliquid nihilo.

Aus Theoretische Ästhetik. Die grundlegenden Abschnitte aus der ,Aesthetica' (1750/58), übersetzt und hg. von Hans Rudolf Schweizer, Philosophische Bibliothek Band 355, 2. Auflage 1988 (1. Aufl. v. 1983), ISBN 3-7873-0785-0.

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