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Literature Archives for June 2006

"Mich verwirren will das Irren"

June 2, 2006, Literature
Last edited on October 11, 2006

Nette Verse wie:

Will in Bädern und in Schenken, Heilger Hafis, dein gedenken; Wenn den Schleier Liebchen lüftet, Schüttelnd Ambralocken düftet. Ja des Dichters Liebeflüstern Mache selbst die Huris lüstern.

Wolltet ihr ihm dies beneiden, Oder etwa gar verleiden, Wisset nur, daß Dichterworte Um des Paradieses Pforte Immer leise klopfend schweben, Sich erbittend ewges Leben.

und:

Doch Abraxas bring ich selten! Hier soll meist das Fratzenhafte, Das ein düstrer Wahnsinn schaffte, Für das Allerhöchste gelten. Sag ich euch absurde Dinge, Denkt, daß ich Abraxas bringe.

finden sich in Goethes West-Östlichen Divan von 1819.

(Zitate aus den Gedichten Hegire, Segenspfänder und Talismane (die Überschrift) des Buches des Sängers.)

Hermaphroditen, Ovid

June 2, 2006, Literature
Last edited on June 2, 2006

Wichtige Fragen in der Rubrik Vom Fachmann für Kenner der aktuellen Ausgabe der Titanic:

Neulich im Hermaphroditen-Forum

»Wenn ich beim Masturbieren nicht verhüte… Ist das dann schon Inzest?«
Tasja Küchemann

Dabei war ich doch ein bißchen erstaunt, daß viele meiner Freunde etwas mit dem Begriff "Hermaphrodit" anfangen können wollten. Das hätte ich nicht gedacht. Der Ursprung in der griechischen Mythologie ist allerdings unbekannter gewesen, also will ich kurz wiedergeben, wie Ovid in seinen Metamorphosen die Geschichte beschreibt (IV. Buch, etwa Verse 285 bis 388), denn jene ollen Mythen sind durchaus lustig und wirken oft, zumindest aus heutiger Sicht, etwas absurd:

Jan Gossaert, Verwandlung von Hermaphroditos und Salmicis (um 1470/80); click for more information (in der deutschen Wikipedia)

Hermaphroditus, benannt nach seinen Eltern, den Göttern Hermes und Aphrodite, verläßt mit fünfzehn Jahren die Heimat und gelangt an den Teich der Nymphe Salmacis. Diese ist ganz anders als ihre Schwestern, immerhin die Nymphen der Jagdgöttin Diana, gar nicht auf Sport und Jagen aus, viel lieber badet sie in ihrem Teich, kümmert sich um Haare und Kleidung und ruht lieber auf weichem Laub. Als sie gerade Blumen pflückt, erblickt sie schließlich den jungen Hermaphroditus und ist gleich völlig hin und weg nach dem, der seinen göttlichen Eltern gleicht. Sie eilt, nicht ohne sich noch vorher hübsch gemacht zu haben, zu ihm:

"[...] Gibt es eine [Braut], so sei ein Diebstahl, was ich begehre, Gibt es noch keine, sei ich's, laß uns dann ins Brautgemach eingehen!"

Der Knabe ist völlig überrumpelt und will fliehen, "wußt' er von Liebe doch nichts!" Salmacis erschrickt, beschwichtigt ihn, sie lasse ihn in Ruhe und würde ihm sogar ihren Teich gastfreundschaftlich überlassen, und gibt vor fortzugehen. Allerdings versteckt sie sich nur und beobachtet ihn.

Hermaphroditus, nun vermeintlich alleine, beschließt, baden zu gehen:

Ohne zu zögern, verführt durch die Wärme der schmeichelnden Wasser, Legt von dem schlanken Leib er ab die zarte Umhüllung. Da erst bestaunt ihn Salmacis recht, nach dem Reiz seiner nackten Schönheit entflammt in heißer Begier.

Als er schließlich in ihre Quelle springt, ruft sie laut: "Sieg! Er ist mein!", springt ihm nach und klammert sich an ihn, "raubt dem Wehrenden Küsse", "berührt ihm zuleid seine Brust", schmiegt sich an ihn wie eine Schlange, wie Efeu an einen Stamm, wie eine Krake unter Wasser. Er jedoch, völlig überrumpelt, sträubt und wehrt sich, "verweigert standhaft der Nympfe [..] die erhofften Freuden". Was diese natürlich erbost:

"Du magst dich wehren, du Böser! Wirst nicht entfliehn! Ihr Götter mögt so gebieten, daß ihn von Mir keine Stunde und mich von ihm keine Stunde kann trennen!" Und ihr Gebet, es fand seine Götter: Die Leiber der Beiden Wurden verschmolzen, in eine Gestalt die Zweie geschlossen. Wie, wenn man Zweige gepfropft unter eine Rinde und sieht zu- sammen sie wachsen und weiter gemeinsam sprießen fortan, so Sind, als in zäher Verstrickung die Leiber der Beiden vereinigt, Zwei sie nicht mehr, eine Zwiegestalt doch, nicht Mädchen nicht Knabe Weiter zu nennen, erscheinen so keines von beiden und beides.

Das ist der Mythos zum Begriff Hermaphrodit, der auch heute durchaus noch in der Zoologie oder auch der Medizin so gebräuchlich ist. Nach der Verwandlung, der Metamorphose, des Hermaphroditus kommt noch als eigentliches Ende die Metamorphose des Teiches: Hermaproditus fleht seine Eltern, "schon mit männlicher Stimme nicht mehr", an, sie mögen das Gewässer mit einen "mannheitsverderbenden Zauber" belegen, auf daß wenigstens auch zukünftig jeder Mann zum "Halbmann, verweibt, [werde], sobald ihn berüht seine Wellen!"

(In meiner Kurzfassung habe ich aus der Übersetzung der Metamorphosen von Erich Rösch zitiert, dtv, 1997, ISBN: 3-423-12456-3.)

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